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Was macht das Seminar 10.1.1997, Café Wacker

Anwesend: Thomas Erdelmeier, Stefan Beck, Oliver Augst, Markus Halbe, Christoph Korn

Einige Gedanken von Stefan Beck:

» Seminar 01 - Nichts tun?

» Seminar 02 - Zielgerichtetes Nichts...

» Seminar 03 - Maschinen/Ästhetik?

» Seminar 04 - Kulturinstitutionen

» Seminar 05 - Darmstädter Manifest

» Seminar 06 - Hör zu oder stirb? I

» Seminar 07 - Negativität der Kultur

» Seminar 08 - Ein Desaster, das...

» Seminar 19 - nur bis zur Antike

» Seminar 10 - Zerschlagene Ohren

» Seminar 11 - Homo oeconomicus

» Seminar 12 - Various...

» Seminar 13 - Kapital. Wirklichkeit

» Seminar 14 - Über das Seminar

Januar 1997. Zwischenzeitlich ist das Seminar vom Cafe Karin ins Cafe Wacker am Oeder Weg umgezogen

Bis zum Juli letzten Jahres wurde alle Sitzungen bloß mitgeschrieben, bis von einigen Mitgliedern der Wunsch auftrat, die Seminare mögen auf Band aufgezeichnet werden, weil so eine exaktere Wiedergabe des Gesprächsverlaufs möglich wäre. Es käme auch darauf an die scheinbar unwichtigen nebensächlichen Dialoge zu dokumentieren, um so vom Seminar den Anschein einer universitären Veranstaltung zu nehmen, dem es nicht gerecht würde und auch nicht anstrebe.

Das hat zu einem technischen Problem geführt, wie das Seminar fortan im Internet zu dokumentieren wäre. Was schon das Transkript ein beachtlicher Aufwand, so war das Abtippen von eineinhalb Stunden Gespräch nicht mehr zu leisten. (Für vier Minuten Gespräch habe ich eine Stunde gebraucht!)

Nach wie vor werden aber die Seminare auf Band aufgezeichnet, was schon zu einem gewissen Kassettenstapel geführt hat. Anhand dieser Sammlung entzündete sich auch die Frage, auf was das Seminar denn hinausliefe. Es müsse endlich auch ein "Produkt" entstehen. Dazu möchte ich folgendes sagen:

a) Das Seminar ist als Gesprächsrunde und Kaffeehaustisch schon für sich Produkt, das keiner weiteren Konservierung bedarf. Der Reiz des Seminars liegt gerade in seinem unthematischen So-Sein und Dabei-belassen von vielfältigen Artikulationen (auf den Bändern zischt auch die Kaffeemaschine und dudelt die Hintergrundmusik). Thomas Erdelmeier hat sehr richtig darauf hingewiesen, es käme beim Seminar auf "die Verfertigung der Gedanken beim Sprechen" an, bloße Reproduktion von Bücherwissen sei nicht angestrebt. Dem stimme ich auch zu, und möchte das soweit belassen, was nicht heißt, das keine Texte gemeinsam gelesen werden sollten. Ich würde mir manchmal wünschen, wir hätten mehr Bezug zu einer konkreten Theorie.

ab) Diese oben dargestellte in sich eigene Produkthaftigkeit des Seminars wäre durch Angebote wie den Ausstellungsraum von Schmidl und Haas (Alte Mainzer Gasse 4, Frankfurt) oder das kommende kommunale Radio X-Mix als Darstellungsebene zu nutzen, durchaus abgedeckt. Allerdings scheint der Ausstellungsraum doch nicht mehr zur Verfügung zu stehen, und, wann Radio X-Mix endlich lizensiert wird, wissen wir noch nicht.

b) Demnach ist die Frage nach dem "Produkt" des Seminars wieder offen und diskutierbar. Das Seminar war aber nie als vollkommen zusammenhangsloser Gesprächskreis gedacht, sondern, wie der Untertitel "Untergrund" schon besagt, auf einen Themenbereich zwischen sogenannter Sub- und Hochkultur bezogen. Wobei seine "Theorie" darauf abzielte, Formen von Praxis, die uns überall begegnete als "Clubs", "Raves", "Events", verstehbar und veränderbar zu machen.

Meine urspüngliche Idee, und vielleicht auf seiner ersten Veranstaltung mit Rainer Ganahl in der 'Modernen Bar' sehr eindrücklich dargestellt, ging von meiner Unzufriedenheit mit der Art und Weise aus, wie mir in Frankfurt Nachtleben angeboten wurde. Nämlich, als das absolute Fehlen von Themen, explizit auch politischer Themen. Das Seminar sollte dazu dienen Themen in das Nachtleben zurückzuführen (bevor sie bloße Re-aktion auf von außen kommende Bedrängnisse werden) und damit besonders "praktisch" wirken.

Wir haben aber damit festgestellt, daß es notwendigerweise eine Diskussion bestimmter Phänomen bedarf, bevor wir eingreifen können. Deshalb haben wir auch längere Zeit über die Themenhaftigkeit (oder Diskursivität) von Dance-Music gesprochen, um überhaupt einen Rahmen sprachlicher Interventionen abstecken zu können.

Aus ab) ergab sich die Frage, wie sich das Seminar darstellen könne, ohne inszeniert zu wirken. Worauf sich aber unterschiedlich Meinungen über den Wert einer "Inszenierung" herausstellten. So kam die Idee auf, die bisher dokumentierten Seminar-Texte von Schauspielern als Rollen vorlesen zu lassen. Fest steht, daß zu einem gewissen Punkt das Seminar nur im Vollzug erfahrbar ist, also durch Teinahme, und, daß alle Formen es nach außen zu tragen, wie Übersetzungen wirken müssen. Trotzdem bleibt die Frage offen, in welchem Maße wir uns simulativer Praktiken bedienen sollten.

Der Einsatz von simulativen Techniken hat sich nach meiner Meinung im Anschluß an die französischen Poststrukturalisten, Baudrillard vor allem, entwickelt, die jegliche Macht als simulative Praxis zu entlarven versuchten, um auf die Zerstörung traditioneller Dialektiken von Schein und Täuschung hinzuweisen bzw. ihre weitergehende Aufrechterhaltung als Farce zu demaskieren. In diesem Zusammenhang taugen simulative Techniken vor allem als Institutionskritik, in dem sie die symbolische Macht von Institutionen bestzen und positiv für sich umdeuten. Beispiele finden sich auch in der Subkultur, wo auf T-Shirts raubkopierte Logos von großen Firmen abgebildet werden ('Terror' statt 'Telekom').

Ich denke, daß sich das Seminar zwar solcher Art von Praktiken bedienen, sich aber nicht selbst an ihre Stelle setzen kann. Wie immer auch die Vorstellung einer "Authentizität" in größerem Rahmen zu bewerten sein mag, das Seminar ist an sich ein orignärer Produzent, weil seine Teilnehmer physisch anwesend sind und mittels Sprache Verständnis über etwas und über sich erzielen wollen (Fernsehen als mediales Phänomen will über sich keine Erkenntnis gewinnen.).

Ich könnte auch sagen, Simulationen zielen in erster Linie auf Medien (Wer mit einem 'Hell' T-Shirt umherläuft, will vor allem über das mediale Erscheinungsbild von 'Shell' Einfluß auf das reale Unternehmen gewinnen.), das Seminar hat aber noch kein Medium in dem es auftritt (außer dem marginalen Internet), es will erst über sein 'Produkt' eins werden; deshalb wäre eine Simulation des Seminars eigentlich ein Rückschritt, weil es etwas darstellte, was es bis dahin noch nicht gegeben hat. Es wäre eher "fiktiv" als "simulativ". (Für mich geht die Kette von "Fiktion" über "Produktion" zur "Simulation".

Für die Romatiker was die 'Revolution' ein Bild [die Freiheit auf den Barrikaden], für die Sozialisten real [die Kommunarden auf den Barrikaden] und für die Postmodernisten simulativ [die Sprache auf den Barrikaden]. Ein fiktives Seminar fände ich aber sinnlos. 

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